Es ist Ostern! Zur Feier des Tages: Ab in die Stollen einer alten Salzmine. Was Ostern mit einer Salzmine zu tun hat? Im allgemeinen nichts. In diesem Fall jedoch wurde das Gewirr aus Gängen in der Mine zu einem riesigen Gotteshaus ausgebaut. Mit vielen kleinen Kapellen und einer beeindruckend großen – unterirdischen – Kathedrale. Die Salzkathedrale von Zipaquirá (cathedral de sal).

Das Hauptschiff der Salzkathedrale

Blick ins Hauptschiff der Kathedrale

Ein Gotteshaus in der ehemaligen Salzmine

Beeindruckend ist der abstieg in die Stollen einer großen Mine wahrscheinlich immer. Doch wenn einem dann alle paar Meter ausgebaute Höhlen mit steinernen Kreuzen und in den Fels gemeißelten Bänken begegnen macht es das ganze noch eindrucksvoller. Die kleinen Kapellen auf dem Weg zur großen Kathedrale bilden die 14 Stationen des Kreuzweges Jesu und auf dem ganzen Weg begleitet einen der muffig-warme Luftzug aus den tiefen der Mine.

Kapelle in der Salzkathedrale

Eine Station des Kreuzweges Jesu

riesiges Kreuz in der Kathedrale

Das 18 Meter hohe Salzkreuz in der Kathedrale

In der Kathedrale überrascht einen dann eine hallende Messe mit ein paar Hundert Teilnehmern. Der klein wirkende Priester vor dem riesigen Salzkreuz der Kathedrale gibt mir einen Maßstab um die beeindruckende Größe des rund 20 Meter hohen und 120 Meter langen Kirchenschiffs zu erfassen. Beleuchtet ist die gesamte Kathedrale in bunten Farben die – ein bisschen wie ein Satz LED-Lichterketten regelmäßig ihre Farben wechseln. Ich bin durch die dezent-warme Beleuchtung deutscher Sehenswürdigkeiten geprägt und die bunte Beleuchtung wirkt doch stark kitschig.

Eine der meistbesuchten Attraktionen Kolumbiens

Eine Ecke und ein paar Treppenstufen hinter der Kathedrale dann die endgültige Ernüchterung. Tief im Berg hat sich ein Touristenmarkt der Extraklasse entwickelt. Es werden Salz- und Steinfiguren verkauft. Eis, Hamburger und sogar ein paar „indigene Artefakte“ sind ausgestellt. Und dazwischen hunderte Touristen. Die spirituelle Stimmung die sich aufbauen konnte solange mal keine Touristengruppe in der Nähe war ist hiermit endgültig verflogen und ich muss mich der Erkenntnis stellen: die Stätte ist zweifelsohne beeindruckend. Aber die Stätte ist auch eine der meistbesuchten Sehenswürdigkeiten Kolumbiens. Spirituelle ruhe oder Besinnlichkeit kann für mich an diesem Ort nicht auftreten.

Touristenmassen in der Salzkathedrale

Touristenmassen

Beeindruckt und ein wenig desillusioniert verlasse ich die Salzstollen um in dem netten Städtchen Zipaquirá noch ein paar Stunden zu verbringen.

How-to:
Von der Altstadt in Bogotá kommt man am besten mit dem Bus zur Salzkathedrale. Ab der Station Las Aguas fährt ein Transmilenio-Bus zur Station Portal Norte (1900 COD, ca. 25 min). Von dort geht es mit dem überregionalen Bus nach Zipaquirá (4800 COD, ca. 50 min). In Zipaquirá ist man in 15-20 Minuten zum Eingang der Salzkathedrale gelaufen.
Der happige Eintrittspreis von 50 000 COD (für Ausländer) beinhaltet eine ca. einstündige Führung auf Englisch.

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