Unter meinen Füßen knirscht bei jedem Schritt grober Sand und große Wellen führen zu Gischtfontänen an den unzähligen Granitfelsen. Das Rauschen des Meeres und entferntes Schreien der Brüllaffen bietet eine exotische Geräuschatmosphäre. Es ist 6:30 Uhr und ich bin schon seit einer knappen Stunde wach um den Sonnenaufgang, die kühle Luft und die Einsamkeit im Parque Tayrona zu genießen.

Einsamer Strand beim Sonnenaufgang

Ganz so einsam ist der Strand nur zum Sonnenaufgang.

Adieu Karibikküste

Drei Tage habe ich im Parque Tayrona verbracht, bin an Stränden spaziert, habe beim Schnorcheln (wenig erfolgreich) Schildkröten, Rochen und einen Oktopus verfolgt und mit Schatten und Sonnencreme Sonnenbrände abgewehrt (eher erfolgreich). Zwischendurch bin ich durch den Urwald gewandert und geklettert und habe die frühen Orte der kolumbianischen Kolonisierung besucht.

Mit großen Rucksäcken geht es auf Pferden durch den Urwald

Backpacking 2.0: Mit Judith, Bianca und Franci auf Pferden durch den Urwald.

Nachts wurde in Hängematten oder Zelten geschlafen und Tagsüber der Strand genossen, und auf den Wegen durch den Urwald begegneten einem unzählige bunte Eidechsen und Schmetterlinge und sogar eine Affenhorde in den Bäumen über uns.

Strand, Felsen und Urwald im Parque Tayrona

Der Parque Nacional Natural Tayrona

Benannt ist der Park nach seinen ursprünglichen Bewohnern, den Tayrona. Diese mussten jedoch schon wenige Jahre nach der spanischen Landung im frühen 16. Jahrhundert in höhere Lagen der Sierra Nevada flüchten. Zurück blieben die Ruinen ihrer Siedlungen. Die Größte (heute Pueblito genannt), ist innerhalb des Parks zu besichtigen.

Heute ist der Park vor allem aufgrund seiner weitestgehend unberührten Strände ein Backpacker-Magnet. Die Küste ist grandios schön, stellenweise zum Schwimmen geeignet, und zum Teil menschenleer. Direkt hinter den Stränden beginnt der Urwald und im Meer tummeln sich bunte Fische und größere Meeresbewohner. Ein Naturerlebnis der besonderen Art.

Der Strand bei Cabo San Juan

Granitfelsen, Strand und Urwald geben eine exotische Mischung

Ein Top-Highlight in Kolumbien?

Keine Frage, der Park und die Strände sind schön. Aber… Der Park wird in jedem Kolumbienführer als Highlight aufgeführt, und obwohl die Stimmung größtenteils noch entspannt ist, kommen hier immer mehr Backpacker hin. Die Strände füllen sich, der Park professionalisiert sich, und ein guter Teil der besonderen Atmosphäre durch die – eigentlich – abgelegene Lage verschwindet so.

Doppelstrand am Cabo San Juan im Parque Tayrona

Menschenleer ist der Strand am Cabo San Juan heute nicht mehr.

Viele Zelte am Cabo San Jua

Festival? Nein, nur Backpacker am Cabo San Juan.

Mein Tipp:
In den meisten Reiseführern wird der Cabo San Juan als Übernachtungsmöglichkeit empfohlen. Dadurch ist dort ein Backpacker-Massentourismus entstanden der den grandios schönen Spot etwas entwertet.
Netter und heimeliger (wenn auch ein paar Meter weiter vom Strand entfernt) ist es in einem der kleineren Hängemattenlager in Arrecifes.

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