Von Panama geht es nach Kolumbien. Von Panama City nach Medellín. Noch vor 20 Jahren war die Stadt vor allem mit einem Assoziiert: Gewalt. Als Hauptstadt der Morde ging die Medellín noch 1991 durch die Presse. Mit 381 Morden pro 100 000 Einwohnern war der Titel damals verdient (Deutschland 2014: 2,7/100 000). Seitdem hat sich jedoch viel getan. Die benachteiligten Viertel wurden an das Netzwerk der öffentlichen Verkehrsmittel angeschlossen. Viele der ehemals von Gangs kontrollierten Slums ziehen heute eine wachsende Anzahl von Besuchern an und die Stadt gilt als sicherste Großstadt Kolumbiens.

Blick über die Stadt Medellín

Erst aus der Vogelperspektive erschließen sich die Dimensionen der Stadt.

Das Stadt-Feeling

Den Wandel spürt man in der Stadt. – beziehungsweise: Eigentlich eben nicht. Von vergangener Gewalt ist nicht mehr viel zu spüren. Viel mehr fühlt es sich genauso an, wie in allen anderen Städten meiner Reise: Nachts sollte man nach Möglichkeit ein Taxi nehmen, bestimmte Stadtviertel sollten nur mit Vorsicht besucht werden und grundsätzlich nimmt man möglichst wenige Wertgegenstände mit (zugegeben, mit Kamera ist das schwer zu realisieren…). Wie in den anderen Städten Lateinamerikas auch, kann es einem prinzipiell passieren, dass man ausgeraubt wird. Wahrscheinlich ist das aber – meiner Einschätzung nach – nicht, solange man sich an die oben genannten Regeln hält.

Beeindruckend ist etwas anderes: Die Menschen und ihre Offenherzigkeit, Kontaktfreude und ihr Interesse. Man fühlt sich hier einfach willkommen und gut aufgehoben.

Kosten und Verkehr

Obst auf dem Markt in Medellín

Viele der Früchte haben bei uns nicht einmal einen Namen

Hinzu kommen die – im Vergleich zu Costa Rica und Panama günstigen Preise. Eine Nacht im Hostel: 5-8€, ein Mittagessen mit Suppe, Hauptgericht und frischem Saft: 2-3€, ein Bier in der Bar: 0,70€-2€. Und auch die Verkehrsmittel sind ziemlich günstig und gut organisiert.

Apropos Verkehrsmittel: Medellíns U-Bahn ist ein Traum (bei der Wahl der Unterkunft auf jeden Fall auf die Entfernung zur nächsten Station achten!) und wird nur getoppt durch die Seilbahnen, welche die (ehemaligen) Slums an den Berghängen rund um die Stadt ans Metro-Netzwerk anbinden. Eine fahrt in den Gondeln ist im Metropreis mit inbegriffen und bietet grandiose Blicke über die Stadt.

Abseits der Touristenströme

Wer will kann an den einzelnen Stationen der Seilbahn aussteigen, sollte dann aber nicht vergessen, dass er sich in den armen Vierteln der Stadt befindet und sich verhalten. Ich persönlich fühlte mich dort jedoch tagsüber (gerade in der Nähe der Stationen) vollkommen sicher und mir wurde offen begegnet. Auch hier gilt wohl: Desto weiter man sich von den üblichen Touristenströmen entfernt, desto offener und interessierter begegnen einem die Bewohner.

Mein Tipp:
Mit der Seilbahn ab der Metro-Station Acevedo hoch zur Station Santo Domingo fahren und von dort zu Fuß durch das Viertel unter der Seilbahn wieder runter laufen. Das geht zwar etwas auf die Knie, die Sicht über die Stadt und der Kontakt zu den Menschen ist es aber wert! >>Medellins Metro-Netzwerk

Alte Frau in Santo Domingo, Medellín

In Santo Domingo wird einem als Ausländer mit viel Interesse begegnet

Ihr habt es wahrscheinlich gemerkt: Mir gefällt es hier in Medellín und Kolumbien ziemlich gut und ich werde hier sicher noch einige Wochen im Land bleiben.

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