Überall ist Sand, im Mund, in der Kleidung, auf der Kamera. Und meine Schuhe scheinen soeben um mindestens 4 Schuhgrößen geschrumpft zu sein – so voll sind sie mit Sand. So in etwa stelle ich mir die Sahara vor. Doch ich hab nicht etwa kurzerhand einen Abstecher nach Afrika gemacht, stattdessen bin ich in der Oase Huacachina drei Stunden südlich von Lima gelandet.

Die Oase Huacachina bei Ica in Peru

Die Oase Huacachina

Eine Touri-Oase in der Wüste

Ich wollte schon immer mal in einer echten Sandwüste sein (die meisten Wüsten halten sich ja nicht an das Wüstenklischee und sind eher felsig-langweilig…). In Peru ergibt sich nun endlich die Chance dazu. Man muss wissen dass Peru sich klimatisch und landschaftlich grob in drei Zonen unterteilen lässt: die Küste ist nahezu vollständig staubtrocken und Vegetationsfrei, dahinter erheben sich die Anden und schirmen die trockene Küste vor dem um so feuchteren Regenwald auf der anderen Seite ab.
Ich bin an der Küste, also Wüste. Und zum Teil sogar sandig – Juhuu!
Huacachina liegt nur wenige hundert Meter von der Stadt Ica entfernt und sie fühlt sich dennoch wie eine echte Oase an. Mit Palmen und einer Lagune bildet sie einen Flecken Grün inmitten der Hellgelben Dünen. Nur die vielen Backpackerhostels stören ein wenig das Idylische Bild. Aber das Problem kennt ja jeder auf Reisen: Warum nur finden andere die schönsten Orte auch so schön?!?

Spiegelungen in der Lagune der Oase Hucachina

Die Lagune der Oase

Sandboarding: Das Gringo-Backpacking-Programm

Die Hauptatraktion in Huacachina: Wüstenbuggie-fahren und Sandboarding. Eigentlich meide ich ja die Backpackerunterhaltungen dieser Art und befinde sie Arrogant als „nicht real genug“ oder „Gringo-abzocke“. Aber hier in Huacachina musste es jetzt doch mal sein. Also finde ich mich mit 10 anderen „kulturell-interessierten-Backpackern“ in einem übermotoriserten Wüstenbuggie wieder und wir brettern Achterbahn-mäßig die Dünen rauf und runter.

rotes Wüstenbuggy in der Wüste bei Huacachina

Mit dem übermotorisierten Buggy geht es in die Wüste

Und dann das Highlight: Sandboarding. Eigentlich wie Snowboarden oder Ski-fahren, nur mit weniger Anziehsachen, steileren hängen und viel viel mehr Sand. Eine Gaudi ist das ganze ja schon, und von Abfahrt zu Abfahrt gewöhnt man sich mehr an die höhere Reibung des Sandes.

Sandboarding und Ski fahren auf Dünen in der Wüste bei Huacachina

Sandboarding und Wüstenski

Zum Abschluss noch ein Sonnenuntergang über der Wüste und schon hat man vergessen, dass man doch eigentlich Umweltbewusst und Kulturinteressiert reisen wollte.

Sonnenuntergang hinter Dünen

Sonnenuntergang in der Wüste

Weinanbau zwischen Dünen? – Schmeckt nicht.

Die Kultur folgt dann am nächsten Tag (In der Oase wurde es einfach stink-langweilig… Und Dünen raufklettern ist einfach zu anstrengend): Besuch auf einem Weingut.

Stopp. Weingut? – Ich dachte wir sprechen von der Wüste?

Ja, und ja. Tatsächlich liegt die einzige (?) Weinanbauregion Perus hier, mitten in der Wüste. Rund um Ica liegen eine ganze Anzahl an Weingütern (Boderas) die zumeist Führungen anbieten sowie Weinproben. Die 5 Soles (ca. 1,50 €) war die 45 Minütige Führung allemal Wert. Auf die anschließende Weinprobe (im Preis mit inbegriffen) hätte ich allerdings verzichten können. Ohne Witz: am liebsten hätte ich die Weinproben stehen lassen. Ich bleibe bei Chilenischem oder Argentinischem Wein.

Weinreben in Ica

Die Weinreben werden per tröpfchenbewässerung gegossen

Palme zwischen Weinreben

Wer wirkt hier fehl am Platz?

facebookmail