Ich bin Indiana Jones. – in der verschwitzten Variante.
Entdeckt habe ich die verlorene Stadt (Ciudad Perdida oder Teyuna) zwar nicht. Aber immerhin habe ich sie erreicht – das war schon anstrengend genug.

Wanderer in der Sierra Nevada

In Tourgruppen mit Guide geht es durch die Sierra Nevada

In Tourgruppen mit Guide geht es durch die Sierra Nevada[/caption]

Der Trek

Der Reiz der Ciudad Perdida hängt auch mit ihrer schlechten Erreichbarkeit zusammen. Zwei Tage ist man unterwegs um zu Fuß (einen anderen Weg gibt es nicht) die archäologische Stätte zu erreichen. Der Weg führt mitten durch die Täler und über die Pässe der Sierra Nevada (irgendwie dachte ich die sei in den USA…). Kühl ist es tagsüber nirgendwo und die Kombination aus langen steilen Anstiegen, der hohen Temperatur und Luftfeuchtigkeit ist schweißtreibend. Doch der Weg ist grandios schön. Flussbetten aus blank polierten Felsen müssen überquert werden. Mit jedem Kilometer wandelt sich die hügelige Kulturlandschaft mehr in ein zerklüftetes Regenwaldgebiet und so bekommt man für jeden Liter Schweiß etwas zurück.

Baden im Fluss auf dem Weg zur Ciudad Perdida

Die Regelmäßige Abkühlung ist willkommen

Zwischendurch bieten die Flüsse eine willkommene Abwechselung und Guide, Küchenteam und Übersetzer kümmern sich aufmerksam und ausdauernd um einen. Nach den längsten Anstiegen gibt es frisches Obst und die warmen Mahlzeiten sind genau das richtige.

Apropos Übersetzer(in): In meinem Fall ist das Kadda, eine Freundin aus Deutschland, die mich überhaupt erst dazu gebracht hat nach Santa Marta zu reisen.

Auf einem Stein sitzend wird gelesen.

Kadda, bei einer kurzen Pause

Zunehmend begegnen einem auf dem Weg Mitglieder der lokal ansässigen indigenen Gemeinschaften. Sie sind Nachfahren der ursprünglichen Bewohner der Region und das Gebiet durch das wir wandern ist ihr Gebiet. Nur durch ein Abkommen des kolumbianischen Staates mit Ihnen ist unsere Tour überhaupt möglich. Und es wird darauf geachtet, dass alle ansässigen Stämme direkt von dem begrenzten Tourismus profitieren.

Wiwa Stammesangehörige blicken über die Stätte der Ciudad Perdida

Blick über die zwei größten Terrassen der Ciudad Perdida

Ciudad Perdida – die verlorene Stadt

Am Morgen des dritten Tages, nach einem letzten Anstieg von etwa 1200 Stufen, erreicht die Gruppe die Ciudad Perdida. Hoch in den Bergen inmitten des Regenwalds der Sierra Nevada liegt Teyuna, wie ihre Bewohner sie nannten.

Terrassen der Ciudad Perdida im Regenwald

Ein Großteil des Areals liegt halb verborgen im Regenwald

Sie ist – neben Machu Picchu eine der bemerkenswertesten präkolumbischen Stätten Südamerikas.
Bewohner waren die Tairona, welche sie verließen nachdem 90% ihrer Bevölkerung durch Krankheiten dezimiert wurden. Eine Folge der Krankheiten die die Spanier einschleppten. Die Stätte selbst besteht aus unzähligen runden steinernen Terrassen, auf denen früher die Gebäude der Tairona standen.

Bewacht wird das Areal von kolumbianischen Soldaten, welche nötig sind da die Sierra Nevada ein Rückzuggebiet der Guerilla Truppen von FARC und ELN darstellt. Der letzte Zwischenfall liegt jedoch schon fast 10 Jahre zurück.

Touristen werden von kolumbianischen Soldaten beobachtet

Soldaten beobachten Touristen beobachten die Stätte

Hat sich der Besuch gelohnt?

Auf jeden Fall! Durch die komplizierte Anreise weiß man die erreichte archäologische Stätte richtig zu schätzen. Klar war es anstrengend. Klar machen auch andere Touristen die gleiche Tour und man ist nicht überall durchgehend ganz alleine. Und ja, der Rückweg geht auf die Kniegelenke (zwei Tage haben meine gebraucht um sich zu erholen).

Kulturlandschaft in der Sierra Nevada

Allein wegen der Landschaft lohnt sich der Trek

Aber dafür erlebt man was, wandert durch den Regenwald, begegnet den Nachfahren der ursprünglichen Bewohner Südamerikas. Und man erreicht eine spannende, große Stätte.

Und: Wer will sich nicht als Indiana Jones fühlen?

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